Rilke Rundweg

Fotografien treffen auf Worte von Rainer Maria Rilke. Der Rundweg des Fotovereins momentum.raron lädt zum Entdecken ein.

Siebzehn Bildstationen mit Auszügen aus den Gedichten Rainer Maria Rilkes begleiten die Besucher von der Felsenkirche auf einer befestigten Straße hinauf zu seinem Grab auf der Südseite der Burgkirche. Der Rückweg führt vom östlichen Ausgang des Friedhofs über einen Naturpfad wieder hinab zur Felsenkirche und vollendet so den Rundweg.

Einsamkeit

Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.

Katzenaugen

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

Tor

Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten?
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?

Falke

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Auge

Leben Sie jetzt die Fragen.
Vielleicht leben Sie dann allmählich,
ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.

Kirchenfenster

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Feierkleid
über die sinnenden Dinge.

Wildwasser

Und wenn dich das Irdische vergaß,
zu der stillen Erde sag: Ich rinne.
Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.

See

Mein Leben ist wie leise See:
Wohnt in den Uferhäusern das Weh,


Nebel

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Vollmond

Vergiß, vergiß und laß uns jetzt nur dies
erleben, wie die Sterne durch geklärten
Nachthimmel dringen; wie der Mond die Gärten
voll übersteigt.

Schneenacht

Im Schoß der silberhellen Schneenacht
dort schlummert alles weit und breit,
und nur ein ewig wildes Weh wacht
in einer Seele Einsamkeit.

Frost

wo wart ich's ab,
dass die entbetteten Flüsse,
wieder verständigt,
teilen die Landschaft
in gelassene Ufer.

Der Sprung

Ich konnte Dich wie eine Rose rühmen,
Du gingst zurück, Dein Angesicht verblich;
aber in dieses Sturmes Ungestümen
da kommst Du, Herr und da erkenn ich Dich.

Kreisel

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Lebensadern

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen

Sonnenstrahlen

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

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